Biographie Montessori

 

„Die Montessori-Pädagogik hat ihren Namen von der 1870 in Italien geborenen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori. Schon während der Schulzeit entdeckte sie ihr Interesse für Mathematik und Naturwissenschaft und besuchte eine naturwissenschaftlich-technische Schule, was für Mädchen in der damaligen Zeit recht ungewöhnlich war. Gegen den Willen des Vaters und gegen enormen Widerstand seitens der Universität gelang es ihr, als erste Frau Italiens ein Medizinstudium zu absolvieren, welches sie 1896 abschloss.

 

Ihre ersten, prägenden Erfahrungen mit Kindern machte sie als Assistenzärztin in der Kinderabteilung einer psychiatrischen Klinik. Hier entdeckte sie, dass die Entwicklung von Kindern entscheidend von den Anregungen, die sie in ihrer Umgebung finden, beeinflusst wird. Während ihrer Assistenzzeit wurde ihr Interesse an psychologischen und pädagogischen Fragestellungen geweckt. 1901 ging sie zurück auf die Universität und studierte Philosophie und Psychologie. Als sie 1904 eine Professur für Anthropologie in Rom erhielt, hatte sie bereits eine klare Konzeption zu den Voraussetzungen, die für die ideale Entwicklung des Kindes von Bedeutung sind. Ihre Konzeption lehrte sie in Vorträgen und schrieb sie in einem Buch nieder.

 

Mit ihren Bestrebungen, das bestehende Erziehungs- und Bildungswesen zu verändern, stand Montessori nicht alleine. Gesellschaftliche Umwälzungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass die herrschende Staatspädagogik in verschiedenen europäischen Ländern ebenso wie in den USA in Frage gestellt wurde.

Es entstand eine reformpädagogische Bewegung, deren wichtigste Vertreter neben Maria Montessori, Celestin Freinet, Peter Peterson, John Dewey sowie Rudolf Steiner waren.

 

1906 bot sich Maria Montessori die Gelegenheit, ihre Methode in der Praxis zu erproben. Sie wurde von der italienischen Regierung damit betraut, in San Lorenzo, einem Armenviertel in Rom, ein Kinderhaus einzurichten. Hier zeigte sich bald der Erfolg ihrer Methode. Verwahrloste, verschreckte und vernachlässigte Kinder begannen selbstständig zu arbeiten, mit einer Konzentration und Hingabe, die alle Besucher des Kinderhauses verblüffte. Es entwickelte sich ein derartiges Interesse an ihrer Pädagogik, dass Montessori sich veranlasst sah, parallel zu weiteren Eröffnungen von Kinderhäusern, Vorträge und Lehrgänge zur ihrer Methode abzuhalten. Zunächst beschränkten sich die Einladungen auf Italien, später kamen sie aus vielen anderen Ländern Europas.

 

Die politische Situation in Europa während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkte sich sowohl auf ihr persönliches Leben als auch auf ihre Arbeit aus. Sie verlegte 1916 ihren Wohnsitz nach Spanien, nach der Machtübernahme Francos nach Amsterdam. 1939 siedelte sie nach Indien über und kam erst 1946 wieder nach Europa zurück. Während der ganzen Zeit arbeitete sie intensiv an der Verfeinerung und Erweiterung ihrer Methode.

 

Als sie nach Kriegsende nach Europa zurückkam, war von der ehemals weit verbreiteten Montessori-Pädagogik dort kaum noch etwas vorzufinden. So machte sie es sich zur Aufgabe, die Montessori-Bewegung in Europa zu erneuern. Selbst im hohem Alter reiste sie fast ununterbrochen zu Vortragsreisen und Ausbildungskursen in vielen Ländern Europas sowie nach in Indien, Ceylon und Pakistan. Sie starb am 6. Mai 1952 in Holland, wo sie ihren letzten Wohnsitz hatte.“