Unser Tagesablauf erzählt am Beispiel eines jüngeren Kindes

 

Melissa mit ihren 3 ½ Jahren...

 

 

ist eine Frühaufsteherin und sitzt schon kurz nach 8.00 Uhr in der Garderobe, um ihre Hausschuhe anzuziehen.

Danach geht sie mit ihrem Vater in die Küche. Dort wird sie von der Erzieherin, die dienstags in der Küche ist, begrüßt. Noch einen Kuss für Papa, das Versprechen sich nochmals am Küchenfenster zu zuwinken und schon saust Melissa los.

Geübt schiebt sie den Esstischstuhl in Position und klettert hinauf. So macht sie es immer, denn sie weiß es von einigen anderen Kindern. Hier hat man die beste Aussicht auf Papa im wegfahrenden Auto. Tatsächlich, da ist er schon, er winkt stürmisch, dann ist er vorbeigefahren.


Was nun? Erst einmal in den Gruppenraum und schauen, wer schon da ist. Langsam schlendert Melissa durch den Gruppenraum und wird von einigen Kindern und einer weiteren Erzieherin begrüßt.

Es sind erst wenige Kinder da. Zwei Jungs sitzen auf einem Teppich, auf dem sie die braune Treppe und den rosa Turm ausgebreitet haben. Nun arbeiten sie an einem Bauwerk, bei dem die Treppe senkrecht stehend die Kuben des rosa Turmes tragen soll. Melissa schaut eine Weile zu und staunt wie das klappt.

Genug geschaut, sie nimmt sich das Tablett mit den zwei Glasschälchen und den Murmeln zum Löffeln. Das macht sie gerne und selten fällt noch eine Murmel auf den Boden, was am Anfang sehr häufig passierte.

 

Sie musste sich manchmal mit Hilfe der großen Kinder, richtig auf die Jagd begeben, um die davon kullernden Murmeln wieder einzufangen. Danach holt sie sich weitere Tabletts mit Übungen zum Schütten und Löffeln.


Sie schlendert wieder herum, um zu schauen, was die anderen Kinder machen. Nun sind bereits viele Kinder und ErzieherInnen dazugekommen.

Eine Erzieherin wird gerade von Elsa in die Leseecke begleitet. Sie möchte sich das Buch vom Bauernhof vorlesen lassen. Melissa geht mit und setzt sich dazu.

Danach beschließt sie, mit Elsa die Einsatzzylinderblöcke zu machen. Elsa holt alle vier Blöcke auf ihren Teppich. Eifrig holen die beiden alle Zylinder aus dem Block heraus, bis schließlich 40 unterschiedliche Zylinder auf dem Teppich liegen und stehen. Einzeln hat Melissa mit diesen Einsatzzylinderblöcken schon gearbeitet, aber bei der vierfachen Menge? Ob sie das schaffen, für jeden Zylinder wieder das passende Loch zu finden? Es dauert, aber sie geben nicht auf. Sie probieren, versuchen und dann ist es geschafft. Melissa fühlt sich gut und ist zufrieden.

Nun hat sie Hunger und geht mit Elsa in die Küche. Dort sitzen zwei Kinder beim Vesper. Sie richten ihren Essplatz her und lassen es sich schmecken. 

 

Danach schließt sich Melissa einer Gruppe von älteren Mädchen an, die in der Küche Bescheid geben, dass sie im Atelier malen möchten. „Ich will auch malen gehen!“, sagt sie der Erzieherin, die bereits das Mittagessen mit einigen Kindern kocht: „In Ordnung, Melissa.“

 

 

Im Atelier rührt eine Erzieherin mit einigen Kindern frische Knete an, Melissa schaut zu, dann erinnert sie sich, dass sie ja für ihre Mutter ein Bild malen will und legt los. Das fertige Bild legt sie in ihre Eigentum-Schublade.

Dabei begegnet sie einer Erzieherin, die mit einem Glöckchen läutet und die Kinder zum Singkreis einlädt. Melissa geht in die Küche, um zu sagen, dass sie in den Singkreis geht und macht sich auf den Weg ins Musikzimmer. Dabei wird sie von vielen Kindern begleitet. Sie weiß, danach gibt es Mittagessen und dann reicht es noch für ein kurzes Spiel oder zum Spielen im Garten. Dann kommt ihr Vater und holt sie ab.  



Unser Tagesablauf erzählt am Beispiel eines älteren Kindes

 

Kurt mit seinen 6 Jahren...

 

ist einer der Großen im Kinderhaus. Schnell erledigt er das Umziehen in der Garderobe und läuft seiner Mutter voraus in die Küche. Er muss doch schauen, ob Erich, sein Freund, schon da ist. Seine Jacke hängt schon am Garderobenplatz. In der Küche begrüßt er den Erzieher, der mittwochs in der Küche ist, seine Mutter spricht noch mit ihm. Ungeduldig steht er dazwischen. Soll er schon in den Gruppenraum? Nein. Seine Mama bis zur Tür schieben und einen Abschiedskuss, das will er schon noch machen. Dann aber nichts wie hinein.

 

Viele Kinder sind bereits im Kinderhaus und erst entdeckt er Erich gar nicht. Doch dann sieht er ihn. Er hat sich, mit Sandpapierbuchstaben umgeben, auf einem Teppich niedergelassen. Sie begrüßen sich und er fragt ihn, ob er mitmachen darf. Klar. Nun suchen sie gemeinsam die Buchstaben heraus, die sie schon kennen. Dann gehen sie durch den Raum, um passende Gegenstände zu finden, die mit dem jeweiligen Buchstaben anfangen. Das haben sie gestern mit einer Erzieherin gemacht. Sie sind ganz eifrig und zufrieden wie der Teppich sich füllt. Sie kennen schon viele Buchstaben!

 

 

Danach räumen sie auf. Das dauert ganz schön lange. Nun wollen sie in das Bauzimmer. In der Küche geben sie Bescheid und gehen nach oben. Eine Gruppe von jüngeren Kindern baut bereits auf einem Teppich mit den Eisenbahnschienen. Sie entscheiden sich für die Kaplahölzer und bauen auf dem anderen Teppich einen Turm. Die Eisenbahn-Bauer haben keine Lust mehr und wollen in den Gruppenraum gehen.

Erich regt sich auf, weil „die Kleinen“ nicht aufräumen. Einer der jungen Kinder schreit zurück, da kommt eine Erzieherin ins Zimmer. Gemeinsam erörtern sie die Situation und was nun zu tun sei. Schließlich legen die Jüngeren die Schienen zurück in die Kisten und die älteren Kinder helfen beim Einsortieren der Schienen, denn schließlich wissen sie, wie man es richtig macht.


Er hört die Erzieherin mit der Glocke kommen. Nun fragt sie, ob jemand mit in den Geschichtenkreis will und bewundert den Turm. Beide möchten lieber weiter bauen. Sie holen sich die Leiter zu Hilfe, um ihren Turm noch höher zu bauen. Ganz schön behutsam muss man dafür sein, sonst stürzt alles wieder ein. Dann passiert es. Mit lautem Gepolter kracht der Turm in sich zusammen. Die beiden schauen verdutzt und dann müssen sie furchtbar lachen.

Schließlich machen sie sich ans Aufräumen. Danach gehen sie in die Küche und schauen was gekocht wird. Es riecht ganz gut. Erich beschließt beim Salat mitzuhelfen. Kurt möchte nicht helfen und sieht nach, was im Gruppenraum los ist.

Er fragt eine Erzieherin, ob sie gemeinsam mit den großen Zahlen etwas machen können. Sie gibt ihm die Aufgabe, die Zahl 1463 mit den goldenen Perlen auf dem Teppich auszulegen und verspricht dann zu kommen. Das geht für Kurt schon ganz leicht, solche riesigen Zahlen hat er schon oft gelegt.

Als die Erzieherin kommt, zeigt sie ihm, wie man die Zahl 1336 dazu addiert. Er ist begeistert. 1463 + 1336 = … : das ist eine richtig, große, schwierige Addition und er kann das Ergebnis selbst mit den goldenen Perlen heraus bekommen. Mit Feuereifer schafft er noch eine zweite Rechnung.

Nun wird er zur zweiten Essensgruppe aufgefordert. Nach dem gemeinsamen Lied schöpft sich Kurt die Nudeln auf seinen Teller. Er hat Hunger. Vor lauter Arbeiten hatte er das Vespern vergessen. Dann noch etwas Salat und er ist satt. Kurt erzählt und spricht mit den Kindern am Tisch. Er muss noch etwas warten, bis er aufstehen und abräumen darf. 

Nach dem Essen geht er in den Gruppenraum und trifft dort seinen Freund Erich wieder. Sie machen gemeinsam ein Puzzle. Danach schlendern sie durch den Raum und schauen, was die anderen Kinder machen.

Schließlich entscheiden sie sich dafür, in den Garten zu gehen. Schnell noch in der Küche Bescheid geben und schon sind sie in der Garderobe, um sich wetterfest anzuziehen.

Draußen klettern sie in der Buchenhecke, schleppen Äste an und bugsieren diese in die rechte Position, um das Lager von gestern schöner und bequemer zu machen. Kurt weiß, dass er noch Zeit hat. Er wird erst kurz vor 15 Uhr abgeholt.



 

 

 

 

 

Der Tagesablauf 

rhythmisiert und individualisiert

Um Orientierung und damit Sicherheit zu geben, sind die Tage in sich wiederholende Tätigkeiten aufgeteilt, die jedoch alle Möglichkeiten für die eigenen Bedürfnisse der unterschiedlichen Kinder offen lassen.

 

 

 

 

 

 


Ankommen

 

In der Küche „Guten Morgen“ sagen. Jedes Kind wird willkommen geheißen. Auch kurze Informationen mit den Eltern werden hier ausgetauscht, wenn sich z.B. die Abholzeit ändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kreise und Angebote finden täglich statt. Die Themen sind an jedem Wochentag anders. Auskunft gibt der Wochenplan. Die Teilnahme ist freiwillig. Feste Gruppen, an denen die Teilnahme für die entsprechenden Kinder verbindlich ist, wie zum Beispiel die Schwimm- oder Turngruppe, werden vom Erzieherteam festgelegt und rechtzeitig bekannt gegeben.

 

So ist der Tag und auch die Woche rhythmisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Mittagessen beginnt mit einem

gemeinsamen Lied oder Gebet und

endet gemeinsam mit dem Abräumen

des eigenen Platzes. Das Mittagessen

und das Vesper wird mit den Kindern

gemeinsam im Kinderhaus täglich frisch

 

zubereitet. 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freiarbeit

 

In einer von dem Erzieherteam sorgfältig vorbereiteten Umgebung finden die Kinder ein vielfältiges Angebot an Materialien, mit denen sie ihrem Entwicklungsalter gemäß spielen und arbeiten können.

 

 

Freie Wahl

 

der Tätigkeit, der Spielpartner, des Ortes, des Zeitpunktes, der Dauer und Intensität der Beschäftigung mit einem Material sind ebenso Merkmale der Montessori-Pädagogik.

 

 

 

 

 

 

 

Verschiedene Bedürfnisse und Tätigkeiten erfordern verschieden eingerichtete Räume und Umgebungen. Den Kindern stehen hierzu die drei Stockwerke des Kinderhauses während der Freiarbeit zur Verfügung. In der Küche melden sie sich ab, wenn sie ihre Arbeit in einem anderen Raum fortsetzen möchten.

 

  

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spätestens um 14.00 Uhr gehen alle Kinder in den Garten. Naturerfahrungen in den verschiedenen Jahreszeiten und die Freude an der Bewegung sind uns wichtig.